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Wie ein paar Schleswig-Holsteiner die Kulturen des Alten Orients begründeten...

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Und nun kommen wir zu einem ganz grundsätzlichen Punkt.
Man wird bemerkt haben, daß ich den Begriff "Megalithiker" stets in Anführungszeichen gesetzt habe. Man hat es sich nämlich schon lange abgewöhnt, von "einer" Megalithkultur zu sprechen, die von einem Zentrum aus ihren Weg über die Alte Welt angetreten hätte.
Früher wurde dieses "Zentrum" je nach ideologischer Wetterlage im Nahen Osten, in Nordafrika oder in Südskandinavien vermutet. Diese Hypothesen gelten aber als überholt, da sich bis heute ein solches Zentrum nicht hat nachweisen lassen.
Außerdem ist eine auch nur andeutungsweise gleichartige Entwicklung der Großsteinbauten überhaupt nicht ersichtlich:
was haben die norddeutschen Großsteingräber, die Steinreihen der Bretagne, die Wehrtürme Sardiniens, die Tempel Maltas, isoliert stehende Menhire und die Anlage von Stonehenge eigentlich gemeinsam?
Nichts, aber auch gar nichts, außer eben der Tatsache, daß sie aus großen Natursteinen errichtet sind. Sie sind in der Regel auch in völlig verschiedene Zeiten einzuordnen. Während die maltesischen Tempel in das 5. oder sogar 6. Jahrtausend einzuordnen sind, entstammt die letzte Form von Stonehenge bereits dem Metallikum I, also der frühen Bronzezeit.
Vor allem die nordafrikanischen Großsteingräber, die in der weiteren Argumentation Braaschs eine so gewichtige Rolle spielen, sind überhaupt nicht neolithisch, sondern stammen aus weit jüngerer Zeit, was bereits Maurice Reygasse in den 50er Jahren nachgewiesen hat. Die passen also überhaupt nicht in den Zeithorizont, in welchem Braasch seine "blonden Megalithiker" agieren läßt.
Aus all diesen Großsteinbauten eine geschlossene "megalithische" Kultur herauslesen zu wollen, gilt schon lange als überholter Versuch. Mit demselben Recht könnte man auch auf einen geheimnisvollen gemeinsamen Ursprung all jener Völker schließen, die ihre Sakralbauten aus Holz errichtet oder ihre Toten einem Erdbegräbnis anvertraut haben.
Kulturen werden schon seit langer Zeit ausschließlich keramisch definiert. Und da würden sich die norddeutschen "Megalithiker" in etwa mit den Trägern der Trichterbecherkultur decken, die jedoch keine Nomaden waren, sondern in kammerartig aufgeteilten Langhäusern lebten.
Allgemein decken sich megalithische Bauten aber nicht mit einer entsprechenden Sachkultur, und damit wohl auch nicht mit einer Bevölkerung, die sich als zusammengehörig empfand. Dazu kommt, daß "Megalithbauten" eben nicht nur in Europa und rund um das Mittelmeer zu finden sind, sondern auch im Sudan und Äthiopien, in Korea und Japan, auf Java und Sumatra.
Bei dieser weltweiten Verbreitung verbietet es sich von selbst, hier einen einzigen Ursprungsimpuls anzunehmen.

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